SCHMERZKLINIK am ARKAUWALD
Fachklinik für spezielle Schmerztherapie

Bismarckstr. 52
97980 Bad Mergentheim
Tel.: +49(0)7931-545-0
Fax: +49(0)7931-545-131
www.schmerz.com
Mail: schmerz@schmerz.com

Erfahrung schon seit 1987
Informationen zum Thema Schmerz und Schmerztherapie

SCHMERZ bei und nach GÜRTELROSE

Der Mediziner bezeichnet die Gürtelrose als Herpes zoster.

Der Erreger ist der Her pes-Varizellen-Virus. Als Tröpfcheninfektion führt der Erstkontakt vorwiegend bei Kindern zu den bekannten Windpocken, an sich eine harmlose Kinderkrankheit. Nach dieser Erkrankung wandert das Virus entlang den Nervenfasern zu den Spinalganglien (= Ansammlungen von Nervenzellen in der Nähe des Rückenmarks) und kann dort Jahrzehnte überleben, ohne daß Krankheitszeichen vorhanden sind.
Kommt es aber zu einer Schwächung des Immunsystems, so z.B. im Rahmen einer Krebserkrankung, wird das Virus reaktiviert und erreicht über sensible Nervenbahnen die Haut und es entsteht die Gürtelrose. Auch Stress oder seelische Belastungen können für die Virusreaktivierung verantwortlich sein.

Bei der Gürtelrose handelt sich um eine Reaktivierung bereits vorhandener Viren. Es liegt also keine Neu- oder Zweitinfektion vor.

An einer Gürtelrose erkranken meist ältere Personen über 50 Jahre, die Inzidenz (= Anzahl neuer Erkrankungsfälle) beträgt etwa 4-5 pro 1000 Einwohner.

Die Gürtelrose befällt überwiegend die Nervensegmente der unteren Brustwir belsäule, seltener aber auch den Gesichts- (= Gesichtsrose) bzw. Kopfbereich (= Kopfrose) (Herpes zoster ophthalmicus, Herpes zoster oticus). Sie beginnt mit einem brennenden, juckenden Schmerz im Bereich der befallenen Nervensegmente und geht mit Sensibilitätsstörungen (= Störungen der Empfindung) einher. Schon die Berüh rung der Haut im befallenen Bereich verursacht einen starken Schmerz (eine sog. Allodynie). Einige Tage später bilden sich Hauterscheinungen wie rote Flecken, Pusteln und Papeln aus. Diese sog. Effloreszenzen heilen in der Regel nach 2 - 4 Wochen ab und normalerweise verschwinden dann auch die Nervenschmerzen wieder.

Behandlung der akuten Gürtelrose:

Antivirale (= gegen das Virus gerichtete) Therapie: z.B. Aciclovir (z.B. Zovirax®), das Medikament wirkt als Guanosinanalogon auf die Replikation (= Neuentstehung der Erbsubstanz) des Virus, verringert den akuten Schmerz, die Erythembildung (= flächenhafte Hautrötung) und die Neubildung von Läsionen und läßt die Effloreszenzen (= Hauterscheinungen) schneller abheilen.
Weitere antivirale Substanzen: Brivudin (Zostex®), Famciclovir (Famvir Zos ter®) und Valaciclovir (Valtrex®). Weitere antivirale Substanzen sind Brivudin (Zostex®), Famciclovir (Famvir Zos ter®) und Valaciclovir (Valtrex®).

Lokale (= örtliche) Schmerzbehandlung mit antiviralen (= gegen Viren gerichtete) Substanzen bei Gürtelrose:
Idoxuridin oder Desoxyuridin in Dimethylsulfoxid (Zostrum®) wird viermal täglich vier Tage lang auf die betroffenen Hautstellen aufgetragen und führt zu einem schnellen Rückgang des Schmerzes (Wassilew 1988).Alternativ bietet sich Vidarabin Salbe an (zweimal täglich) (Hempel 1993).
Antivirale Substanzen beeinflussen den Schmerz ab dem fünften Tag nach Auftreten der Zostereffloreszenzen (= typischer Hautausschlag bei Gürtelrose) nicht mehr. Danach ist der Einsatz antiinflammatorischer (= entzündungshemmender) Pharmaka angezeigt.

Medikamentöse Schmerzbehandlung mit systemischen Analgetika (= im ganzen Körper wirkenden Schmerzmittel) und Co-Analgetika (= Mittel die Schmerzmittel in ihrer Wirkung unterstützen) bei Gürtelrose:
In der Literatur werden verschiedene Pharmaka zur Schmerzbehandlung bei Gürtelrose genannt. Dabei muß bedacht werden, daß der Schmerz bei Gürtelrose -Patienten unter 50 Jahren ohnehin normalerweise spontan sistiert (= aufhört). Ein Therapieversuch mit Gabapentin (z.B. Neurontin®) oder Pregabalin (Lyrica®) ist oft erfolgreich.

Schmerzbehandlung mit lokalen Therapeutika (= Mittel die örtlich aufgetragen werden) bei Gürtelrose: Benedittis (1992) propagiert die lokale Applikation von Acetylsalicylsäure (= Wirkstoff von Aspirin®) in Diaethylaether gelöst, womit auch wir gute Erfahrungen gemacht haben.

Therapeutische Lokalanästhesie (= Behandlung mit einem örtlichen Betäubungsmittel bzw. Lokalanästhetika) zur Schmerzbehandlung bei Gürtelrose:
Rechtzeitiger Beginn der Behandlung innerhalb von zwei bis drei Wochen und vor allem auch Sympathikusblockaden (= Betäubungen eines Teils des unwillkürlichen Nervensystems) führen zu guter Schmerzreduktion und sollen das Auftreten pos tzos terischer Neu ralg ien (= Schmerzen, die nach Abheilung der Gürtelrose weiter bestehen) verhindern.

Wenn der Schmerz die Hauterscheinungen der Gürtelrose überdauert, meistens nach 3-5 Wochen, dann ist die Krankheit in eine Neuralgie bzw. postzosterische Neuralgie übergegangen.
Zehn Prozent aller Patienten mit Gürtelrose entwickeln eine Neuralgie (Loeser 1986). Begünstigend für das Auftreten dieser Neuralgie sind Intensität und Ausmaß der akuten Gürtelrose erkrankung, Diabetes mellitus (= Zuckerkrankheit), Lokalisation der Gürtelrose (häufiger nach Zos ter opht halmicus (= Gesich tsrose)) und vor allem das Alter der Patienten.
Die Inzidenz (= Anzahl neuer Erkrankungsfälle) an Zos ter - Neuralgie beträgt 20-60 Prozent bei den über 60jährigen (Struppler 1988).
Der Schmerzcharakter bei der Neuralgie nach Gürtelrose wird von den Patienten uneinheitlich beschrieben: anhaltend tief drückend oder brennend, blitzartig einschießend, stechend und brennend. Fast regelmäßig besteht im Schmerzbereich eine Sensibilitätsstörung (= Störung des körperlichen Empfindens), so in Form einer Hyperpathie (= Sensibilitätsstörung als Überempfindlichkeit gegenüber allen örtlichen Reizen) oder auch Hyperalgie (= herabgesetzte Schmerzschwelle) bis hin zu einer Allodynie (= schon die Berührung der Haut im befallenen Bereich führt zu Schmerzen).

Schmerztherapie bei der Neuralg ie nach Gürtelrose:

Beim Entstehungsmechanismus dieser Schmerzzustände spielen sowohl zentrale (= im Rückenmark) als auch periphere Nervenschäden eine Rolle. Dementsprechend werden verschiedene Therapiemaßnahmen, die zentral oder/und peripher angreifen, unterschiedlich erfolgreich sein (Hefermann und Lese r, 1992 Schmerzklinik Ba d Mergentheim).
Die Therapie der Neuralgie nach Gürtelrose ist schwierig und setzt große Erfahrung voraus. Dabei ist häufig eine gezielte "Polypragmasie" (= Durchführung mehrerer Maßnahmen gleichzeitig) erforderlich. Die Patienten betreiben zum Teil einen Schmerzmittelmissbrauch oder sind gar bereits abhängig, so daß vorrangig eine Entzugsbehandlung erforderlich ist. Infolge des chronischen Schmerzes entwickeln sich öfters psychische Veränderungen, so daß auch psychotherapeutische Interventionen notwendig werden.

Eine systemische medikamentöse Therapie mit Schmerzmittel nach dem WHO (= Weltgesundheitsorganisation) -Stufenschema sollte zumindest ab Stufe 3 (z.B. Gabe von Morphin) erst dann eingesetzt werden, wenn die Therapie mit Psychopharmaka, Antiepileptika (= Mittel gegen das Anfallsleiden, auch bei bestimmten Schmerz en wirksam) und nichtmedikamentösen Verfahren, sowie perkutaner (= durch die Haut hindurch) Medikamentenanwendung ausgeschöpft wurde. Antidepressiva (z.B. Doxepin, Maprotilin) (= Mittel gegen Depression), evtl. auch in Kombination mit einem Neuroleptikum (z.B. Levomepromazin) (= Mittel zur psychischen Behandlung, aber auch gegen Schmerzen wirksam), verschaffen Patienten mit einer Neuralg ie nach Gürtelrose häufig Linderung. Wir bevorzugen Amitriptylin in einer Tagesdosis von bis zu 75 mg, da es in Kombination mit Analgetika, Antiepileptika und oder Neuroleptika stärker wirksam ist.
Zur Schmerzbehandlung bei dieser Neuralgie nach Gürtelrose wirken am besten sog. Antiepileptika (= eigentlich Mittel gegen die Fallsucht, aber auch bei Schmerzen nach Gürtelrose hilfreich). Als erste Wahl gelten heute Gabapentin (Neurontin®) und Pregabalin (Lyrica®), als 2. Wahl Carbamazepin (z.B. Tegretal®).
Zur Wirkstoffeinsparung und damit Reduzierung der Nebenwirkungen kann mit Baclofen (= ein Mittel zur Muskelentspannung) kombiniert werden. Manchmal ist auch die Verordnung von Keltican® (= ein Mittel, das z.T. Ner venschäden reparieren kann) hilfreich.

Zur perkutanen (= durch die Haut hindurch) medikamentösen Schmerzbehandlung der Neuralgie nach Gürtelrose eignet sich Acetylsalicylsäure (= bekannt als Aspirin®) z.B. in Ether gelöst, wobei allerdings durch ASS eine Ablösung der Hornschicht der Haut und bei Lösung in Chloroform dessen Leber- und Nierengiftigkeit zu beachten ist (Zenz 1994).
Capsaicin, Inhaltsstoff des spanischen Pfeffers, als Creme (0,025-0,075%) verabreicht, kann ebenfalls schmerzlindernd wirken. Allerdings tolerieren einige Patienten nicht die mit der Anwendung verbundenen Hautreizungen und vorübergehende Schmerzverstärkung.
Auch eine Iontophorese (= Verabreichung von Wirkstoffen durch die Haut mit Hilfe von Gleichstrom) mit Vincristin ist zur Behandlung der Schmerzzustände geeignet, wenn die Gürtelrose nicht länger als 6 Monate zurückliegt (Layman 1986).

Therapeutische Lokalanästhesie (= Behandlung mit einem örtlichen Betäubungsmittel) bei einem Schmerz nach Gürtelrose:

Gute bis sehr gute Erfolge sehen wir mit Ner venblockaden, sofern diese konsequent durchgeführt werden.
Folgendes Vorgehen hat sich bewährt: Nach einer positiven, schmerzlindernden Testblockade wird eine Serie von Ner venblockaden mit einem lang wirksamen örtlichen Betäubungsmittel (z.B. Bupivacain in einer Konzentration von 0,25%) durchgeführt, wobei anzustreben ist, die Folgeblockade immer dann anzusetzen, wenn die vorhergegangene eben abgeklungen ist. Dazu bieten sich kontinuierliche Verfahren mittels Kathetertechnik (= Einpflanzung eines dünnen Kunststoffschlauch dicht an den betroffenen Nerv) an.
Im Trigeminusbereich (Gesichtsrose, z.T. Kopfrose) wird der betroffene Ast (hpts. Stir n) am zugehörigen Austrittspunkt und die dominante Schmerzregion mit einigen Millilitern Lokalanästhetikum betäubt.
In den mittleren und unteren Halssegmenten kann der Plexus brachialis (= Armnervengeflecht) entweder wiederholt mit Spritzen, oder besser mit der kontinuierlichen Technik (= Einpflanzung eines dünnen Kunststoffschlauch dicht an das Nervengeflecht) betäubt werden. Die sog. retrograd hohe Variante erlaubt eine Blockadeausbreitung bis hoch zu den Spinalwurzeln (= aus dem Rückenmark stammende Nervenwurzel an der Wirbelsäule). Der interskalenäre Zugang (= im seitlichen, unteren Halsbereich) ist mit einem etwas größeren methodischen Risiko behaftet.
Bei Zos ter-Befall der Segmente im Bereich der Brustwirbelsäule sind zur Schmerzbehandlung Interkostalblockaden (= Betäubungen der Zwischenrippennerven) angebracht, unterhalb von Th 12 bieten sich Periduralblockaden (= Betäubungen nahe am Rückenmark) mit Bupivacain (z.B. 0,125%) an. Sind die Nerven ischiadicus und / oder femoralis betroffen, können diese wiederholt mit Spritzen oder auch kontinuierlich mit Katheter blockiert werden (Heferm ann und Leeser, Schmerztherapiezentrum Bad Mergentheim 1992). Alternativ sind auch engmaschig wiederholte, großzügige Infiltrationen im Schmerzbereich hilfreich.

Topische (= eine örtliche, oberflächlich wirkende) Lokalanästhesie der betroffenen Hautareale, zum Beispiel mit Lidocain-Spray oder Lidocain-Prilocain Creme (EMLA®), wird zur Schmerzbehandlung bei Neuralgie nach Gürtelrose von verschiedenen Autoren eingesetzt (Milligan 1989). Bei abnehmender Wirkung im Behandlungsverlauf ist an eine Tachyphylaxie (= Wirkungsabschwächung bei wiederholter Anwendung) zu denken. Zudem können bei lokaler Anwendung zusammen mit Nervenblockaden toxische (= giftige) Lokalanästhetikakonzentrationen erreicht werden.

Neurolytische (nervenzerstörende) Verfahren wie zum Beispiel epidurale (= rückenmarknahe) Einspritzung von Phenol (Neuendorf 1986) sollten bei bei einem Schmerz nach Gürtelrose die Ausnahme bleiben. Von chirurgischen oder chemisch destruktiven (= zerstörenden) Eingriffen ist bei der Neuralgie nach Gürtelrose abzuraten, da diese kaum zum Erfolg führen (Kossmann 1986), beziehungsweise unbefriedigende Langzeitergebnisse bei hoher Komplikationsrate aufweisen (Hankemeier 1988).
Bei den neurochirurgischen Verfahren sind periphere Neurektomien (= operative Teilentfernung eines Nerven) und dorsale Rhizotomien (= chemische Unterbrechung der hinteren Wurzel des Rückenmarks) von geringem Nutzen. Am effektivsten soll eine DREZ-Läsion (Läsion der dorsal-root-entry-zone) (= elektrische "Verkochung"/Zerstörung der hinteren Schmerzeintrittzone am Rückenmark) sein (Zenz 1994). Ansonsten können eher elektrische Stimulationsverfahren am Rückenmark wie SCS (spinal cord stimulation) gewählt werden.
Die Transkutane elektrische Nervenstimulation (TENS) mit Klebeelektroden sollte zur Schmerzbehandlung nach Gürtelrose eigentlich immer versucht werden, teilweise läßt sich damit eine zufriedenstellende Schmerzlinderung erreichen.
Akupunktur
wird in der Literatur sehr unterschiedlich beurteilt. Nach Zenz (1994) hat diese Therapie beim Schmerz nach Gürtelrose keine bessere Wirkung als Placebo (= Wirkstofffreies Scheinmedikament).

Wenn Schmerz en nach Gürtelrose längerfristig bestehen, so ist davon auszugehen, daß bereits ein Chronifizierungsgrad II oder III (Mainzer Stadieneinteilung) vorliegt. In diesen Fällen ist eine rein somatische (= körperliche) Behandlung kaum mehr ausreichend, sondern es müssen zusätzlich psychologisch /psychotherapeutische Interventionen erfolgen.

Viele gute Gründe sprechen für eine stationäre Behandlung in der SCHMERZKLINIK am ARKAUWALD, so z.B.:

Für Mitglieder gesetzlicher Krankenkassen bieten wir auf der Grundlage des § 40 bzw. 111 SGB V Rehabilitationsbehandlungen an und für Patienten mit privater Krankenkasse werden Krankenhausbehandlungen gemäß OPS 8-918 durchgeführt. Die Klinik ist auch beihilfefähig.
Die Kostenübernahme muß aber vorher bei der Krankenkasse (auch private Kasse oder Beihilfe) beantragt werden.

Wenn Sie Fragen haben oder ein anderes spezielles Schmerzthema suchen, schicken Sie uns einfach ein kurzes Mail: schmerz@schmerz.com. Wir informieren Sie prompt. Wir haben über 700 Themen im Internet, diese können wir hier aber nicht alle auflisten.

Infos (z.B. Prospekt) können Sie zu jeder Tages- oder Nachtzeit anfordern, auch am Wochenende!
Tel.: +49 (0) 7931 - 545-0 * Fax: +49 (0) 7931 - 545-131

Sie wollen mit einem erfahrenen Schmerzarzt sprechen? Kein Problem, einfach jeweils an einem Mittwoch zwischen 13.00 und 14 Uhr oder Donnerstag zwischen 13.00 und 15.00 Uhr die Tel.-Nr. 07931-5450 anwählen (keine extra Gebühren).

Haftungshinweis:
Für die gemachten Angaben wird keine Gewähr übernommen; im Einzelfall ist immer ein Arzt zu konsultieren! Trotz sorgfältiger inhaltlicher Kontrolle übernehmen wir auch keine Haftung für die Inhalte externer Links. Für den Inhalt der verlinkten Seiten sind ausschließlich deren Betreiber verantwortlich.

Impressum Aktualisiert:>11.09.2009</>