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SCHMERZKLINIK am ARKAUWALD |
Erfahrung schon seit
1987
Informationen zum Thema Schmerz und Schmerztherapie
SCHMERZ bei und nach GÜRTELROSE
Der Mediziner bezeichnet die Gürtelrose als Herpes zoster.
Der Erreger ist der Her pes-Varizellen-Virus. Als
Tröpfcheninfektion führt der Erstkontakt vorwiegend bei Kindern zu den bekannten
Windpocken, an sich eine harmlose Kinderkrankheit. Nach dieser Erkrankung
wandert das Virus entlang den Nervenfasern zu den Spinalganglien (=
Ansammlungen von Nervenzellen in der Nähe des Rückenmarks) und kann
dort Jahrzehnte überleben, ohne daß Krankheitszeichen vorhanden sind.
Kommt es aber zu einer Schwächung des Immunsystems, so z.B. im Rahmen einer
Krebserkrankung, wird das Virus reaktiviert und erreicht über sensible
Nervenbahnen die Haut und es entsteht die
Gürtelrose. Auch Stress oder seelische Belastungen können für die
Virusreaktivierung verantwortlich sein.
Bei der Gürtelrose handelt sich um eine Reaktivierung
bereits vorhandener Viren. Es liegt also keine Neu- oder Zweitinfektion vor.
An einer Gürtelrose erkranken meist ältere Personen über 50 Jahre, die Inzidenz (= Anzahl neuer Erkrankungsfälle) beträgt etwa 4-5 pro 1000 Einwohner.
Die Gürtelrose befällt überwiegend die Nervensegmente der unteren Brustwir belsäule, seltener aber auch den Gesichts- (= Gesichtsrose) bzw. Kopfbereich (= Kopfrose) (Herpes zoster ophthalmicus, Herpes zoster oticus). Sie beginnt mit einem brennenden, juckenden Schmerz im Bereich der befallenen Nervensegmente und geht mit Sensibilitätsstörungen (= Störungen der Empfindung) einher. Schon die Berüh rung der Haut im befallenen Bereich verursacht einen starken Schmerz (eine sog. Allodynie). Einige Tage später bilden sich Hauterscheinungen wie rote Flecken, Pusteln und Papeln aus. Diese sog. Effloreszenzen heilen in der Regel nach 2 - 4 Wochen ab und normalerweise verschwinden dann auch die Nervenschmerzen wieder.
Behandlung der akuten Gürtelrose:
Antivirale (= gegen das Virus gerichtete)
Therapie: z.B. Aciclovir (z.B. Zovirax®), das Medikament wirkt als Guanosinanalogon auf die Replikation (=
Neuentstehung der Erbsubstanz) des Virus, verringert den akuten
Schmerz, die Erythembildung (= flächenhafte Hautrötung) und
die Neubildung von Läsionen und läßt die Effloreszenzen (=
Hauterscheinungen) schneller abheilen.
Weitere antivirale
Substanzen: Brivudin (Zostex®), Famciclovir (Famvir Zos
ter®) und Valaciclovir (Valtrex®).
Weitere antivirale
Substanzen sind Brivudin (Zostex®), Famciclovir (Famvir Zos
ter®) und Valaciclovir (Valtrex®).
Lokale (= örtliche) Schmerzbehandlung
mit antiviralen (= gegen Viren gerichtete) Substanzen
bei
Gürtelrose:
Idoxuridin oder Desoxyuridin in Dimethylsulfoxid (Zostrum®) wird viermal täglich vier Tage lang auf die betroffenen Hautstellen
aufgetragen und führt zu einem schnellen Rückgang des Schmerzes (Wassilew
1988).Alternativ bietet sich Vidarabin Salbe an (zweimal täglich) (Hempel
1993).
Antivirale Substanzen beeinflussen den Schmerz ab dem fünften Tag nach
Auftreten der Zostereffloreszenzen (= typischer Hautausschlag
bei Gürtelrose) nicht mehr. Danach ist der Einsatz
antiinflammatorischer (= entzündungshemmender)
Pharmaka angezeigt.
Medikamentöse
Schmerzbehandlung mit systemischen Analgetika (= im ganzen
Körper wirkenden Schmerzmittel) und
Co-Analgetika (= Mittel die
Schmerzmittel in ihrer Wirkung unterstützen) bei
Gürtelrose:
In der
Literatur werden verschiedene Pharmaka zur Schmerzbehandlung
bei Gürtelrose genannt. Dabei muß bedacht werden, daß der Schmerz bei
Gürtelrose -Patienten unter 50 Jahren ohnehin normalerweise spontan sistiert
(= aufhört). Ein
Therapieversuch mit Gabapentin (z.B. Neurontin®)
oder Pregabalin (Lyrica®) ist oft erfolgreich.
Schmerzbehandlung mit lokalen Therapeutika (= Mittel die örtlich aufgetragen werden) bei Gürtelrose: Benedittis (1992) propagiert die lokale Applikation von Acetylsalicylsäure (= Wirkstoff von Aspirin®) in Diaethylaether gelöst, womit auch wir gute Erfahrungen gemacht haben.
Therapeutische
Lokalanästhesie
(=
Behandlung mit einem örtlichen Betäubungsmittel
bzw.
Lokalanästhetika) zur
Schmerzbehandlung bei
Gürtelrose:
Rechtzeitiger Beginn der Behandlung
innerhalb von zwei bis drei Wochen und vor allem auch Sympathikusblockaden
(= Betäubungen eines Teils des unwillkürlichen Nervensystems) führen zu
guter Schmerzreduktion und sollen das Auftreten pos
tzos terischer Neu
ralg
ien (=
Schmerzen, die nach
Abheilung der
Gürtelrose weiter bestehen) verhindern.
Wenn der Schmerz die Hauterscheinungen der Gürtelrose überdauert, meistens nach
3-5 Wochen, dann
ist die Krankheit in eine Neuralgie bzw.
postzosterische Neuralgie übergegangen.
Zehn Prozent aller Patienten mit Gürtelrose entwickeln eine Neuralgie (Loeser
1986). Begünstigend für das Auftreten dieser Neuralgie sind Intensität und Ausmaß der akuten
Gürtelrose erkrankung,
Diabetes mellitus (= Zuckerkrankheit),
Lokalisation der Gürtelrose (häufiger nach Zos ter opht halmicus
(=
Gesich
tsrose))
und vor allem das Alter der Patienten.
Die Inzidenz
(= Anzahl neuer Erkrankungsfälle)
an Zos ter -
Neuralgie beträgt 20-60 Prozent bei den
über 60jährigen (Struppler 1988).
Der Schmerzcharakter bei der Neuralgie nach Gürtelrose
wird von den Patienten uneinheitlich beschrieben: anhaltend tief drückend oder
brennend, blitzartig einschießend, stechend und brennend. Fast regelmäßig
besteht im Schmerzbereich eine Sensibilitätsstörung
(= Störung des körperlichen Empfindens), so in Form einer
Hyperpathie (=
Sensibilitätsstörung als Überempfindlichkeit gegenüber allen örtlichen Reizen)
oder auch Hyperalgie
(=
herabgesetzte Schmerzschwelle) bis hin zu einer
Allodynie (= schon die
Berührung
der Haut im befallenen
Bereich führt zu Schmerzen).
Schmerztherapie bei der Neuralg ie nach Gürtelrose:
Beim
Entstehungsmechanismus dieser Schmerzzustände spielen sowohl zentrale (= im Rückenmark)
als auch periphere Nervenschäden eine Rolle. Dementsprechend werden
verschiedene Therapiemaßnahmen, die zentral oder/und peripher angreifen,
unterschiedlich erfolgreich sein (Hefermann und Lese
r, 1992
Schmerzklinik Ba d Mergentheim).
Die
Therapie der Neuralgie nach Gürtelrose ist schwierig und setzt große
Erfahrung voraus. Dabei ist häufig eine gezielte "Polypragmasie"
(= Durchführung mehrerer Maßnahmen gleichzeitig)
erforderlich. Die Patienten betreiben zum Teil einen
Schmerzmittelmissbrauch oder
sind gar bereits abhängig, so daß vorrangig eine Entzugsbehandlung erforderlich
ist. Infolge des chronischen Schmerzes entwickeln sich öfters psychische
Veränderungen, so daß auch psychotherapeutische Interventionen notwendig werden.
Eine systemische medikamentöse Therapie mit Schmerzmittel nach dem WHO
(= Weltgesundheitsorganisation)
-Stufenschema sollte zumindest ab Stufe 3 (z.B. Gabe von Morphin) erst dann
eingesetzt werden, wenn die Therapie mit Psychopharmaka, Antiepileptika
(= Mittel gegen das Anfallsleiden, auch bei
bestimmten Schmerz
en wirksam) und
nichtmedikamentösen Verfahren, sowie perkutaner
(= durch die Haut hindurch)
Medikamentenanwendung ausgeschöpft wurde. Antidepressiva (z.B. Doxepin, Maprotilin) (= Mittel gegen Depression),
evtl. auch in Kombination mit einem
Neuroleptikum (z.B.
Levomepromazin)
(= Mittel zur psychischen Behandlung, aber auch gegen
Schmerzen wirksam),
verschaffen Patienten mit
einer Neuralg ie
nach Gürtelrose häufig
Linderung. Wir bevorzugen Amitriptylin in einer Tagesdosis von bis zu 75 mg, da
es in Kombination mit Analgetika, Antiepileptika und oder Neuroleptika stärker
wirksam ist.
Zur Schmerzbehandlung bei dieser Neuralgie nach
Gürtelrose
wirken am besten sog. Antiepileptika (= eigentlich
Mittel gegen die Fallsucht, aber auch bei
Schmerzen
nach Gürtelrose
hilfreich).
Als erste Wahl gelten heute Gabapentin (Neurontin®) und Pregabalin (Lyrica®), als 2. Wahl Carbamazepin
(z.B. Tegretal®).
Zur Wirkstoffeinsparung und damit Reduzierung der
Nebenwirkungen kann mit Baclofen
(= ein Mittel zur Muskelentspannung) kombiniert
werden. Manchmal ist auch die Verordnung von Keltican®
(= ein Mittel, das z.T.
Ner
venschäden reparieren kann)
hilfreich.
Zur perkutanen (= durch
die Haut hindurch) medikamentösen Schmerzbehandlung
der Neuralgie nach
Gürtelrose eignet sich Acetylsalicylsäure
(= bekannt als Aspirin®) z.B. in Ether
gelöst,
wobei allerdings durch ASS eine Ablösung der Hornschicht der Haut und bei Lösung
in Chloroform dessen Leber- und Nierengiftigkeit zu beachten ist (Zenz
1994).
Capsaicin, Inhaltsstoff des spanischen Pfeffers, als Creme (0,025-0,075%)
verabreicht, kann ebenfalls schmerzlindernd wirken. Allerdings tolerieren einige
Patienten nicht die mit der Anwendung verbundenen Hautreizungen und
vorübergehende Schmerzverstärkung.
Auch eine Iontophorese
(= Verabreichung von Wirkstoffen durch die Haut mit Hilfe von Gleichstrom)
mit Vincristin ist zur Behandlung der Schmerzzustände geeignet, wenn die
Gürtelrose nicht länger als 6 Monate zurückliegt (Layman
1986).
Therapeutische Lokalanästhesie (= Behandlung mit einem örtlichen Betäubungsmittel) bei einem Schmerz nach Gürtelrose:
Gute bis sehr gute Erfolge sehen wir mit Ner venblockaden, sofern diese konsequent durchgeführt werden.
Folgendes
Vorgehen hat sich bewährt: Nach einer positiven, schmerzlindernden Testblockade
wird eine Serie von Ner venblockaden mit einem lang wirksamen örtlichen Betäubungsmittel (z.B. Bupivacain in einer Konzentration von 0,25%)
durchgeführt, wobei anzustreben ist, die Folgeblockade immer dann anzusetzen,
wenn die vorhergegangene eben abgeklungen ist. Dazu bieten sich
kontinuierliche
Verfahren mittels Kathetertechnik
(=
Einpflanzung eines dünnen Kunststoffschlauch dicht an den betroffenen Nerv)
an.
Im Trigeminusbereich (Gesichtsrose,
z.T. Kopfrose) wird der betroffene Ast (hpts. Stir n) am zugehörigen Austrittspunkt und die dominante Schmerzregion mit einigen
Millilitern Lokalanästhetikum betäubt.
In den mittleren und unteren
Halssegmenten kann der Plexus brachialis (= Armnervengeflecht) entweder wiederholt mit
Spritzen, oder besser mit der kontinuierlichen Technik
(= Einpflanzung eines dünnen Kunststoffschlauch
dicht an das Nervengeflecht) betäubt werden. Die
sog. retrograd hohe Variante erlaubt eine Blockadeausbreitung bis hoch zu den
Spinalwurzeln
(= aus dem Rückenmark
stammende Nervenwurzel an der Wirbelsäule).
Der interskalenäre Zugang (= im seitlichen, unteren
Halsbereich) ist mit einem etwas größeren methodischen Risiko
behaftet.
Bei
Zos ter-Befall der Segmente im Bereich der Brustwirbelsäule sind zur
Schmerzbehandlung
Interkostalblockaden (= Betäubungen
der Zwischenrippennerven) angebracht, unterhalb
von Th 12 bieten sich Periduralblockaden (= Betäubungen nahe am Rückenmark) mit Bupivacain (z.B. 0,125%) an.
Sind die Nerven ischiadicus und / oder femoralis betroffen,
können diese wiederholt mit Spritzen oder auch kontinuierlich mit Katheter
blockiert werden (Heferm ann und
Leeser, Schmerztherapiezentrum
Bad Mergentheim 1992). Alternativ sind auch engmaschig wiederholte,
großzügige Infiltrationen im Schmerzbereich hilfreich.
Topische (= eine örtliche, oberflächlich wirkende) Lokalanästhesie der betroffenen Hautareale, zum Beispiel mit Lidocain-Spray oder Lidocain-Prilocain Creme (EMLA®), wird zur Schmerzbehandlung bei Neuralgie nach Gürtelrose von verschiedenen Autoren eingesetzt (Milligan 1989). Bei abnehmender Wirkung im Behandlungsverlauf ist an eine Tachyphylaxie (= Wirkungsabschwächung bei wiederholter Anwendung) zu denken. Zudem können bei lokaler Anwendung zusammen mit Nervenblockaden toxische (= giftige) Lokalanästhetikakonzentrationen erreicht werden.
Neurolytische (nervenzerstörende)
Verfahren wie zum Beispiel epidurale
(= rückenmarknahe)
Einspritzung von Phenol (Neuendorf 1986) sollten bei bei einem Schmerz nach
Gürtelrose die Ausnahme bleiben. Von chirurgischen oder chemisch destruktiven
(= zerstörenden) Eingriffen
ist bei der Neuralgie
nach Gürtelrose abzuraten, da diese kaum zum Erfolg
führen (Kossmann 1986), beziehungsweise unbefriedigende
Langzeitergebnisse bei hoher Komplikationsrate aufweisen (Hankemeier
1988).
Bei den neurochirurgischen Verfahren sind periphere Neurektomien (= operative Teilentfernung eines
Nerven)
und dorsale Rhizotomien (= chemische
Unterbrechung der hinteren Wurzel des Rückenmarks)
von geringem Nutzen. Am effektivsten soll eine DREZ-Läsion (Läsion der
dorsal-root-entry-zone)
(= elektrische "Verkochung"/Zerstörung der hinteren
Schmerzeintrittzone am Rückenmark)
sein (Zenz 1994). Ansonsten können eher elektrische
Stimulationsverfahren am Rückenmark wie SCS (spinal cord stimulation)
gewählt werden.
Die Transkutane elektrische Nervenstimulation (TENS) mit
Klebeelektroden sollte zur Schmerzbehandlung nach
Gürtelrose eigentlich immer versucht werden, teilweise läßt sich damit eine
zufriedenstellende Schmerzlinderung erreichen.
Akupunktur wird in der
Literatur sehr unterschiedlich beurteilt. Nach Zenz (1994) hat diese
Therapie beim Schmerz nach Gürtelrose keine bessere Wirkung als Placebo
(= Wirkstofffreies Scheinmedikament).
Wenn Schmerz
en
nach Gürtelrose längerfristig bestehen,
so ist
davon auszugehen, daß bereits ein Chronifizierungsgrad II oder III (Mainzer
Stadieneinteilung) vorliegt. In diesen Fällen ist eine rein somatische
(= körperliche) Behandlung kaum
mehr ausreichend, sondern es müssen zusätzlich psychologisch
/psychotherapeutische Interventionen erfolgen.
Viele gute Gründe sprechen für eine stationäre Behandlung in der SCHMERZKLINIK am ARKAUWALD, so z.B.:
Für Mitglieder
gesetzlicher Krankenkassen bieten wir auf der Grundlage des § 40 bzw. 111 SGB V
Rehabilitationsbehandlungen
an und für
Patienten mit privater Krankenkasse werden Krankenhausbehandlungen
gemäß OPS 8-918 durchgeführt. Die Klinik ist auch beihilfefähig.
Die Kostenübernahme muß aber vorher bei der Krankenkasse (auch private
Kasse oder Beihilfe) beantragt werden.
Wenn Sie Fragen haben oder ein anderes spezielles Schmerzthema suchen, schicken Sie uns einfach ein kurzes Mail: schmerz@schmerz.com. Wir informieren Sie prompt. Wir haben über 700 Themen im Internet, diese können wir hier aber nicht alle auflisten.
Infos (z.B.
Prospekt) können Sie zu jeder Tages- oder Nachtzeit anfordern, auch am
Wochenende!
Tel.: +49 (0) 7931 - 545-0
* Fax: +49 (0)
7931 - 545-131
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Impressum Aktualisiert:>11.09.2009</>